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Die Hochschule der Bildenden Künste Athen und die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart organisieren anlässlich des 100. Jubiläums seit Gründung des Bauhauses in Weimar einen internationalen Kongress mit dem Titel „Das Bauhaus und Griechenland“. Der Kongress wird vom 30. Mai bis 1. Juni 2019 in Athen stattfinden.

Das Bauhaus, die wichtigste Kunstschule und Motor der Modernität im 20. Jahrhundert war Ergebnis einer Reihe konvergierender historischer Umstände nach dem 1. Weltkrieg, so der Krise der Wirtschaftsstrukturen der europäischen bürgerlichen Demokratien, der Suche nach alternativen Sichtweisen bei der Befriedigung kollektiver Bedürfnisse, der Loslösung von historischen Bindungen unter dem radikalen Druck seitens der historischen Kunstavantgarden. Darüber hinaus war die Gründung des Bauhauses eng mit den beonderen Nachkriegsbedingungen Deutschlands verknüpft. Eine wichtige Rolle spielten dabei die schwerwiegenden Auswirkungen der traumatischen Erfahrung des Krieges und des von der massenhaften industriellen Vernichtung von Millionen Menschenleben verursachten Horrors, das Gefühl der nationalen Demütigung wegen der Kriegsniederlage und der wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenbuch des Reichs. Das Bauhaus als kulturelles Versprechen war ebenso verwoben mit den von der Gründung der ersten Demokratie auf deutschem Boden, der Weimarer Republik, ausgehenden Zukunftshoffnungen. Das gemeinsame Ende beider im Jahre 1933 stand im Zeichen der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Das Bauhaus schöpfte seine Ideen aus der Kultur der Arts and Crafts Bewegung und des Deutschen Werkbundes und zielte zunächst auf die Überbrückung der Kluft zwischen Kunst und Handwerk und später auf die Versöhnung zwischen Kunst und Industrie ab. Ferner ging es um die Verwirklichung der Idee einer Synthese auf vielfältiger Basis, einer Synthese als kulturelles Programm, einer Synthese der Form, einer Synthese der industriellen Produktion von Gegenständen des Massenkonsums mit der Qualität der authentischen künstlerischen Leistung. Zu diesem Zweck wurde zum ersten Mal die Zusammenarbeit von Künstlern, Architekten und Handwerkern ermöglicht und das Bauhaus erreichte gleich nach Kriegsende den Satus eines zentralen Bezugspunktes der künstlerischen Avantgarden und insbesondere der europäischen Modernen Bewegung. Wichtiges Ziel seines Gründers, Walter Gropius, war der internationale Charakter der Schule, was er durch die Berufung von Lehrern aus ganz Europa zu erreichen versuchte.

Griechenland erlebte zur selben Zeit die eigene Tragödie verursacht von der Katastrophe, in die der griechisch-türkische Krieg im Jahre 1922 mündete und vom Zusammenbruch der Großen Idee. Sie versetzte das Land in einen Zustand einer umfassenden Selbstschau zur Klärung von Fragen der Identität und der generellen Ausrichtung der nationalen kulturellen Produktion. Dies bedeutet nicht, dass in der Zeit davor die griechische Kultur gegenüber den von den europäischen Avantgarden ausgehenden Herausforderungen sich sonderlich offen und empfänglich gezeigt hätte. Die 1920er Jahre spielten aber eine Schlüsselrolle bei der Ausformung der nationalen kulturellen Physiognomie: mit der Lehre und dem Werk von Dimitris Pikionis, mit Fotis Kontoglou, Spyros Papaloukas, Manolis Kalomoiris, Aggeliki Hatjimichali, Aggelos Sikelianos und den von ihm initiierten Delphischen Festen. Erst in den 1930er Jahren erstarkte der Wille nach einem intensiven Austausch mit den europäischen Strömungen (mit Nikos Hadjikyriakos-Gikas, Nikos Eggonopoulos, Andreas Empeirikos, Nikos Skalkotas, Nikos Mitsakis und Patroklos Karantinos als Hauptakteuren). Davon gingen – insbesondere in den Künsten und der Architektur – entscheidende Impulse für die kulturelle Positionierung des Landes und für dessen kreative Selbstbestimmung im Rahmen eines internationalen Dialogs aus.

Der Kongress wird zwei allgemeine thematische Bereiche umfassen:
1 Die Bedeutung und die Wirkung des Bauhauses auf die Künste und die Architektur in Griechenland
2 Der Einfluss des Bauhauses in anderen Ländern im Vergleich und die künstlerische Ausbildung.

Die Bestimmung der Koordinaten der Bauhausrezeption in der griechischen Zwischenkriegszeit wird Gegenstand des ersten thematischen Bereichs sein. In diesem Zusammenhang werden die Auswirkungen der Bauhaus-Erfahrung auf das Werk griechischer Künstler, Architekten und Designer zur Sprache kommen. Die autochthone Produktion wird im Spiegel des Bauhauses betrachtet, um aus der Ermittlung möglicher Einflüsse das Verständnis für diese Produktion zu schärfen. Herausgestellt wird die Bedeutung des internationalen Austausches sowie der Präsenz griechischer Künstler und Architekten der damaligen Zeit auf internationaler Bühne. Angestrebt wird eine Neubewertung des „griechischen Beitrags“ zur europäischen Kultur der Zwischenkriegszeit und der Bedeutung des Erbes und des Mythos des Bauhauses für die Kunst und Architektur der Nachkriegszeit in Griechenland.

Der internationale thematische Bereich wird die Aufmerksamkeit auf die Bauhaus-Rezeption in verschiedenen Ländern vor und nach dem 2. Weltkrieg lenken. Die von der deutschen Bauhaus-Erfahrung (1919-1933) ausgehende Perspektive wird erweitert, um Ereignisse wie die 1938er Bauhaus-Ausstellung im MoMA in New York, das Projekt Mendelsohns, Wijdevelds und Ozenfants zur Gründung einer Mittelmeerakademie, die Gründung des Black Mountain College in North Carolina und des New Bauhaus in Chicago, die „Bauhaus“-Architektur in Tel Aviv, die Gründung der Hochschule für Gestaltung in Ulm und die Idee zu einem Imaginären Bauhaus im Kontext des Situationismus zu erfassen.

Der Kongress wird von Publikationen und weiteren Veranstaltungen zur Kultur des Bauhauses begleitet, die demnächst angekündigt werden.

Der Kongress erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Hellenischen Institut für Architektur, EIA.

• Allgemeine Konferenzinformationen: bauhaus2019.asfa.gr
• Abgabeadresse der Abstracts und Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

- Abstracts werden bis zum Freitag 25. Mai 2018 erwartet

 

Neuer Abgabetermin für Abstracts: 30. September 2018

Auf vielfach geäußerten Wunsch wird der Abgabetermin von Anmeldungen zum Kongress bis zum 30. September 2018 verlängert. Die Themenfelder und die Vorgaben für Anmeldung/Abstract bleiben unverändert; selbstverständlich behalten die bereits eingesandten Anmeldungen ihre Gültigkeit bei. 

 

Die Konferenzsprachen sind Griechisch und Englisch.

Abstracts können in Griechisch oder Englisch eingereicht werden.

Kongressbeiträge mit doppelter Autorschaft sind zugelassen.

 

Die Akten des Kongresses werden publiziert.

Die Teilnahme am Kongress ist frei.

Die Teilnahme an der Konferenz erfordert keine vorherige Anmeldung.

 

Die wissenschaftliche und organisatorische Betreuung des Kongresses und der begleitenden Veranstaltungen liegt in der Verantwortung von Andreas Giacumacatos, Professor für Architektur an der Abteilung für Geschichte und Theorie der Kunst der Hochschule der Bildenden Künste Athen und Sokratis Georgiadis Professor im Fachbereich Architektur der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.



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